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BIM im Straßenbau: Was Auftraggeber verlangen und was Bauunternehmen jetzt brauchen

Okt. 28, 2026
7 Min. Lesezeit

BIM ist bei den Bundesfernstraßen kein Pilotthema mehr. Im März 2026 hat das Bundesverkehrsministerium BIM zum Regelprozess für relevante Projekte erklärt. Damit stellen Autobahn GmbH, DEGES und die Straßenbauverwaltungen der Länder zunehmend BIM-Anforderungen, auch an die Bauausführung. Für Bauunternehmen im Straßenbau heißt das: Wer modellbasiert bauen, dokumentieren und abrechnen kann, ist im Vorteil.

Dieser Beitrag fasst zusammen, was öffentliche Auftraggeber beim BIM im Straßenbau verlangen, welche Dokumente Sie kennen sollten und was Bauunternehmen jetzt vorbereiten können.

Orthofoto einer Straßenbaustelle mit eingeblendeten Planlinien
Straßenbau mit Planbezug: Planlinien auf dem Orthofoto der Baustelle.

Was ist der Stand bei BIM im Straßenbau?

Der Masterplan BIM Bundesfernstraßen beschreibt, wie BIM zum bundeseinheitlichen Standard für Planung, Bau und Betrieb der Bundesfernstraßen wird: erst Grundlagen schaffen, dann schrittweise Einführung bei der Autobahn GmbH und den Ländern, dann Anwendung bei allen neuen Projekten.

Am 27. März 2026 hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder BIM beim Dialogforum Bundesfernstraßen Digital zum Regelprozess erklärt. Laut Pressemitteilung des Bundesverkehrsministeriums sollen relevante Projekte ab sofort nach einheitlichen digitalen Standards geplant, gebaut und betrieben werden.

Wer sind die Auftraggeber?

AuftraggeberZuständig für
Autobahn GmbH des BundesPlanung, Bau, Betrieb und Erhalt der Autobahnen
DEGESPlanung und Bau großer Fernstraßenprojekte im Auftrag von Bund und Ländern
Straßenbauverwaltungen der LänderBundesstraßen in Auftragsverwaltung sowie Landesstraßen
KommunenKommunale Straßen; BIM-Anforderungen sind hier noch sehr unterschiedlich

Diese Dokumente sollten Bauunternehmen kennen

  • AIA (Auftraggeber-Informationsanforderungen): Welche Informationen der Auftraggeber wann, in welcher Form und in welcher Qualität erwartet.
  • BAP (BIM-Abwicklungsplan): Wie das Projektteam die AIA umsetzt: Rollen, Prozesse, Software, Datenaustausch, Modellstruktur.
  • Anwendungsfälle: Wofür das Modell genutzt wird, zum Beispiel Mengenermittlung, Bauablaufplanung, Abrechnung oder Bestandsmodell. Die Rahmendokumente des Masterplans enthalten Steckbriefe dazu.
  • BIM-Leistungskatalog: Autobahn GmbH, DEGES und Bauverbände haben 2024 einen Katalog vereinbart, der beschreibt, wie BIM-Leistungen ausgeschrieben und vergütet werden.
  • ISO 19650: Die internationale Norm für das Informationsmanagement mit BIM, auf die sich viele Anforderungen beziehen.

Was bedeutet das für die Bauausführung?

Bisher lag der Schwerpunkt auf der Planung. Mit BIM als Regelprozess rücken die Anforderungen an die Ausführung nach. Typisch sind:

  • Arbeiten mit dem Auftraggebermodell: Das Planungsmodell ist Grundlage für die Ausführung und muss für Maschinen und Vermessung aufbereitet werden. Mehr dazu im Beitrag BIM im Tiefbau: Planungs-BIM vs. Ausführungs-BIM.
  • Modellbasierte Mengen und Abrechnung: Mengen werden aus dem Modell und aus Ist-Daten ermittelt, siehe Massenermittlung und Aufmaß im Erdbau.
  • Baufortschritt und Qualität: Fortschritt, Prüfungen und Mängel werden mit Ortsbezug dokumentiert und dem Modell zugeordnet.
  • Gemeinsame Datenumgebung: Informationen werden in einer vereinbarten Umgebung ausgetauscht, siehe CDE oder Ausführungsplattform.
  • Bestandsmodell bei Übergabe: Am Ende steht eine As-built-Dokumentation, die der Auftraggeber für Betrieb und Erhalt weiter nutzt.
Kreislauf eines Infrastrukturprojekts: Grundlagendaten, Planung, Bau, Bestandsmodell und Betrieb
BIM im Straßenbau endet nicht mit der Planung: Die Daten aus dem Bau fließen ins Bestandsmodell und in den Betrieb.

Was Bauunternehmen jetzt vorbereiten können: 6 Schritte

  1. Vergabeunterlagen lesen lernen: AIA, geforderte Anwendungsfälle und Austauschformate früh prüfen und in der Kalkulation berücksichtigen.
  2. Zuständigkeiten festlegen: Wer übernimmt BIM-Koordination und Datenaufbereitung im Unternehmen, wer auf der Baustelle?
  3. Datenfluss zur Baustelle klären: Wie kommen Modelle zu Maschinen, Vermessung und Bauleitung, und wie werden Änderungen verteilt?
  4. Ist-Daten systematisch erfassen: Maschinen- und Vermessungsdaten, Fotos und Prüfprotokolle mit Ort und Datum sammeln, damit sie dem Modell zugeordnet werden können.
  5. Gemischte Flotten berücksichtigen: Maschinen und Vermessungsgeräte verschiedener Hersteller müssen mit denselben Daten arbeiten können.
  6. Mit einem Pilotprojekt starten: Ein überschaubares Projekt mit BIM-Anforderungen bringt mehr Erfahrung als jede Schulung allein.

Checkliste für das nächste BIM-Projekt

  • Liegen AIA und Anwendungsfälle vor, und sind sie in der Kalkulation berücksichtigt?
  • Ist klar, wer den BAP auf Auftragnehmerseite mitgestaltet?
  • Sind Koordinatensystem und Austauschformate abgestimmt?
  • Gibt es eine gemeinsame Ablage für Modelle, Planstände und Dokumentation?
  • Ist festgelegt, wie Ist-Daten erfasst und an den Auftraggeber übergeben werden?

BIM im Straßenbau mit Infrakit

Infrakit ist eine kartenbasierte Plattform für das Baumanagement im Infrastrukturbau. Sie verbindet Teams, Maschinen und Daten in Echtzeit, über Marken, Systeme und Projektphasen hinweg. Pläne, Modelle, Termine und Dokumentation liegen auf einer gemeinsamen Live-Karte. So vermeiden Sie Nacharbeit und kommen schneller voran. Als offene Plattform arbeitet Infrakit mit Trimble, Leica und Topcon.

Infrakit-Karte mit Luftbild und Querprofil
Luftbild und Querprofil auf der Infrakit-Karte.

Mehr dazu auf der Seite Tiefbau-Software und im Tiefbau-Software-Vergleich. Wie Sie eine passende Software für die Dokumentation auswählen, lesen Sie unter Baudokumentation Software.

„… Ziel ist eine erleichterte Projektabwicklung in der Bauphase und eine Steigerung der Produktivität durch innovative Lösungen aller Projektbeteiligten, wie zum Beispiel automatisierte Datenablage, ressourcenschonende Dokumentation und einfacher Informationsaustausch.“
— Susanne Wieser, Projektleiterin ASFINAG, über das Pilotprojekt an der A9 Pyhrn Autobahn in Österreich. Zur Erfolgsgeschichte

Häufige Fragen

Ist BIM im Straßenbau Pflicht?

Für relevante Projekte der Bundesfernstraßen ist BIM seit März 2026 Regelprozess. Ob und in welchem Umfang BIM in einem konkreten Projekt gefordert ist, steht in den Vergabeunterlagen, vor allem in den AIA. Bei Landes- und Kommunalstraßen sind die Anforderungen noch unterschiedlich.

Was ist der Masterplan BIM Bundesfernstraßen?

Der Masterplan des Bundesverkehrsministeriums beschreibt, wie BIM schrittweise zum einheitlichen Standard für Planung, Bau und Betrieb der Bundesfernstraßen wird. Dazu gehören Rahmendokumente wie Muster für AIA und BAP sowie Steckbriefe zu Anwendungsfällen.

Was müssen Bauunternehmen bei BIM-Ausschreibungen beachten?

Prüfen Sie früh die AIA, die geforderten Anwendungsfälle, Austauschformate und Übergabeleistungen. Diese Leistungen kosten Zeit und gehören in die Kalkulation.

Brauchen Bauunternehmen einen eigenen BIM-Manager?

Nicht zwingend. Wichtig ist, dass jemand für BIM-Koordination und Datenaufbereitung verantwortlich ist. Das kann intern, etwa in der Vermessung, oder über einen Dienstleister geregelt sein.

BIM-Anforderungen auf der Baustelle umsetzen

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