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Bautagebuch digital führen im Tief- und Straßenbau: Inhalte, Pflichten und Vorlage

Okt. 28, 2026
7 Min. Lesezeit

Ein Bautagebuch dokumentiert jeden Tag, was auf der Baustelle passiert ist: Wetter, Personal, Geräte, ausgeführte Leistungen und besondere Vorkommnisse. Digital geführt, ist es schneller ausgefüllt, bei allen Bauleitern gleich aufgebaut und im Streitfall in Minuten statt Stunden gefunden.

Gerade im Tief- und Straßenbau ist das Bautagebuch oft der wichtigste Nachweis: Vieles, was heute gebaut wird, ist morgen verfüllt, überbaut oder asphaltiert. Dieser Leitfaden zeigt, was in ein Bautagebuch gehört, worauf es im Tiefbau ankommt und wie Sie es digital führen. Am Ende finden Sie eine Vorlage mit allen Feldern.

Vermesser und Bauleiter mit Tablet und Smartphone auf der Baustelle
Wer täglich auf der Baustelle einträgt, braucht ein Bautagebuch, das auch auf Tablet und Smartphone funktioniert.

Was ist ein Bautagebuch und wer führt es?

Das Bautagebuch ist die tägliche Aufzeichnung des Bauablaufs. Bei der Objektüberwachung nach HOAI (Leistungsphase 8) gehört die Dokumentation des Bauablaufs, zum Beispiel in Form eines Bautagebuchs, zu den Grundleistungen der Bauüberwachung. Auf Seiten des Bauunternehmens führen es meist Bauleiter oder Poliere.

Auch wenn es für das ausführende Unternehmen nicht in jedem Fall vorgeschrieben ist: Viele Bauverträge verlangen es, und ohne lückenlose Aufzeichnungen ist es schwer, Behinderungen, Mehrleistungen oder Anordnungen des Auftraggebers später nachzuweisen, etwa bei Nachträgen nach VOB/B. Die genauen Pflichten ergeben sich aus Ihrem Vertrag.

Das Bautagebuch ist ein Teil der gesamten Baustellendokumentation. Wie Sie Fotos, Messungen und Protokolle über alle Bauphasen hinweg festhalten, zeigt unser Leitfaden zur Baustellendokumentation im Tiefbau.

Was gehört ins Bautagebuch?

Ein gutes Bautagebuch beantwortet für jeden Tag: Wer war mit was vor Ort, was wurde wo gemacht, und was hat den Ablauf gestört? Typische Inhalte sind:

  • Datum, Bauvorhaben und Bauabschnitt, im Tiefbau mit Station oder Kilometrierung
  • Wetter und Temperatur, wichtig etwa bei Asphalt- und Betonarbeiten oder Frost
  • Personal: eigene Mitarbeiter und Nachunternehmer mit Anzahl und Stunden
  • Geräte und Maschinen im Einsatz
  • Ausgeführte Leistungen mit Ort und Menge
  • Materiallieferungen und Entsorgung
  • Behinderungen und Unterbrechungen, zum Beispiel fehlende Pläne, Leitungsfunde oder Wetter
  • Anordnungen und Besuche des Auftraggebers oder der Bauüberwachung
  • Prüfungen und Abnahmen, etwa Verdichtungsprüfungen oder Teilabnahmen
  • Besondere Vorkommnisse wie Unfälle, Schäden oder Funde
  • Fotos, vor allem von Bauteilen, die danach verdeckt sind
  • Unterschrift oder Freigabe des Verantwortlichen
Luftbild einer Erdbaustelle
Im Tiefbau ist vieles nach dem Verfüllen nicht mehr sichtbar: Das Bautagebuch wird zum wichtigsten Nachweis.

Was im Tief- und Straßenbau anders ist

Im Hochbau orientiert sich die Dokumentation an Geschossen und Räumen. Im Tiefbau geht es um Trassen, Höhen und Leitungen. Drei Punkte machen deshalb den Unterschied:

  • Ort statt Raum: Halten Sie fest, an welcher Station oder an welchem Abschnitt gearbeitet wurde. Eine Notiz wie „Kanal verlegt“ hilft später wenig, „Kanal DN 300 von Station 0+120 bis 0+180 verlegt“ dagegen schon.
  • Verdeckte Bauteile: Leitungen, Schächte und Gründungen sind nach dem Verfüllen nicht mehr sichtbar. Fotografieren Sie sie vorher, mit Datum und Ort.
  • Maschinen und Vermessung: Auf vielen Baustellen arbeiten Maschinen verschiedener Hersteller und mehrere Vermesser. Wenn deren Daten nicht in der Dokumentation landen, fehlt ein großer Teil dessen, was tatsächlich gebaut wurde.
Digitales Bautagebuch auf der Baustelle: Foto mit Datum, Uhrzeit und Ersteller auf dem Smartphone
Foto mit Datum, Uhrzeit und Ersteller: So wird ein Baustellenfoto zum Eintrag im digitalen Bautagebuch.

Papier, Excel oder App?

KriteriumPapierExcelDigitale Lösung
Aufwand pro Taghoch, oft abends nachgetragenmittel, meist im Bürogering, direkt vor Ort
Einheitlicher Aufbauje nach Bauleiterwenn alle dieselbe Datei nutzendurch feste Formulare
Fotosseparat abgelegtseparat abgelegtdirekt am Eintrag
AuffindbarkeitOrdner durchsuchenDateien durchsuchennach Datum, Ort oder Stichwort
Teilen mit AuftraggeberKopie oder Scanper E-MailFreigabe oder Export

So führen Sie das Bautagebuch digital: in sechs Schritten

  1. Vorlage festlegen: Legen Sie einmal fest, welche Felder Pflicht sind. Die Vorlage unten ist ein guter Start.
  2. Täglich vor Ort ausfüllen: Am besten direkt auf der Baustelle, nicht am Abend aus dem Gedächtnis.
  3. Fotos mit Ort und Datum: Jedes Foto gehört zu einem Eintrag und einer Stelle auf der Baustelle.
  4. Behinderungen sofort vermerken: Mit Uhrzeit, Ursache und Auswirkung. Das ist später die Grundlage für Behinderungsanzeigen und Nachträge.
  5. Freigeben und zentral ablegen: Der Verantwortliche prüft und gibt frei. Alle Einträge liegen an einem Ort, nicht auf einzelnen Handys.
  6. Wöchentlich prüfen: Fehlen Tage oder Angaben? Lücken lassen sich nach einer Woche noch schließen, nach einem Jahr nicht mehr.

Vorlage: diese Felder gehören in Ihr Bautagebuch

FeldBeispiel
Datum, Bauvorhaben, Abschnitt14.11., B 15 Ausbau, Abschnitt 2, Station 1+200 bis 1+450
Wetter, Temperaturbewölkt, 4 °C, kein Niederschlag
Personaleigene Kolonne 6 Personen, Nachunternehmer Kanalbau 4 Personen
Geräte2 Bagger, 1 Walze, 1 Lkw
Ausgeführte LeistungenBodenaushub 380 m³, Frostschutzschicht eingebaut Station 1+200 bis 1+320
LieferungenSchotter 0/32, 6 Lkw-Ladungen
Behinderungen9:30 bis 11:00 Uhr, unbekannte Leitung bei Station 1+260, Arbeiten unterbrochen
Anordnungen, BesucheBauüberwachung vor Ort, Anordnung zur Umverlegung
Prüfungen, AbnahmenPlattendruckversuch Station 1+250
Besondere Vorkommnissekeine
FotosLeitungsfund, Frostschutzschicht vor Überbau
FreigabeName Bauleiter, Uhrzeit

Bautagebuch und Baustelle auf einer Plattform

Ein Bautagebuch wird erst richtig nützlich, wenn es nicht isoliert neben Plänen, Vermessung und Maschinendaten liegt. Infrakit ist eine kartenbasierte Plattform für Infrastrukturprojekte: Pläne, Modelle, Termine und Dokumentation liegen auf einer Live-Karte, und Teams, Maschinen und Daten sind in Echtzeit verbunden, über Marken, Systeme und Projektphasen hinweg. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite zur Baudokumentation Software für den Tiefbau und zur Tiefbau-Software für Straßen-, Kanal- und Leitungsbau.

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Häufig gestellte Fragen

Ist ein Bautagebuch Pflicht?

Für die Bauüberwachung gehört die Dokumentation des Bauablaufs nach HOAI zu den Grundleistungen. Für Bauunternehmen ergibt sich die Pflicht meist aus dem Bauvertrag. Auch ohne Pflicht ist es der wichtigste Nachweis bei Behinderungen und Nachträgen.

Wer führt das Bautagebuch?

Beim Bauunternehmen meist der Bauleiter oder Polier, bei der Bauüberwachung der Bauüberwacher. Wichtig ist, dass klar geregelt ist, wer täglich einträgt und wer freigibt.

Wie lange sollte ein Bautagebuch aufbewahrt werden?

Mindestens so lange, wie Ansprüche aus dem Bauvertrag geltend gemacht werden können. Bei Bauwerken verjähren Mängelansprüche nach § 634a BGB in der Regel fünf Jahre nach der Abnahme. Prüfen Sie zusätzlich die Vorgaben Ihres Vertrags.

Kann ein digitales Bautagebuch das Papierbautagebuch ersetzen?

Ja, wenn der Vertrag nichts anderes verlangt. Wichtig ist, dass Einträge nachvollziehbar bleiben: Wer hat wann was eingetragen, und wurde etwas nachträglich geändert?

Das Bautagebuch auf einer Live-Karte

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