Lukas Schrode, Geschäftsführer und Bauleiter bei der schwäbischen Tiefbaufirma Schrode Bau ( Teil der MTS Unternehmensgruppe), erklärt, wie Infrakit aus einem Produkttest zum unverzichtbaren Betriebssystem für Baustellen zwischen 100.000 und 3 Millionen Euro wurde.
Ein Unternehmen mit Digitalisierung im Blut
Wer die MTS Unternehmensgruppe besucht, trifft auf ein Unternehmen, das Digitalisierung nicht als Projekt begreift, sondern als Betriebsweise. MTS entwickelt eigene Anbaugeräte, CAD-Programme und Software für die 3D-Maschinensteuerung – und testet Neuentwicklungen im eigenen Betrieb, bevor sie zum Kunden kommen. Schrode Bau, der Tiefbauarm der Gruppe, ist dabei zugleich Prüffeld und Vorreiter.
Das Tätigkeitsfeld ist klassischer kommunaler Tiefbau: Kanalbau, Wasserleitungen, Breitbandausbau, Straßensanierungen und Erschließungsmaßnahmen im öffentlichen Bereich. Die Projektgrößen bewegen sich zwischen 100.000 und 3 Millionen Euro. Aufträge kommen fast ausschließlich aus öffentlichen Ausschreibungen – ein Marktumfeld, in dem Effizienz, Dokumentationssicherheit und Termintreue keine optionalen Tugenden sind, sondern Voraussetzungen.
Das Hauptziel formuliert Lukas Schrode, Geschäftsführer und Bauleiter, so: „Das Schlimmste für mich ist, wenn die Baustelle steht – wegen fehlender Informationen, Kommunikationsproblemen oder falscher Daten. Wir haben es geschafft, mit Digitalisierung, Investitionen und Change-Management unser Baustellenpersonal so produktiv wie möglich zu machen.“
Die Ausgangslage: Gut digitalisiert, aber nicht vernetzt
Schrode Bau war schon früh gut aufgestellt. Auf allen Maschinen lief 3D-Maschinensteuerung. Handaufmaße gab es keine mehr – das gesamte Aufmaßwesen war digitalisiert. Rover-Systeme gehörten zum Alltag.
Aber darunter lag ein Problem, das mit jedem weiteren Werkzeug größer wurde: Die Daten existierten in Inseln. Fotos wurden mit dem Handy gemacht und per WhatsApp oder USB-Stick weitergeleitet. Bautagebücher und Qualitätsnachweise lagen dezentral auf den Laptops der Poliere. Die Dateiablage war zwar cloudbasiert, aber ohne geordnete Zugriffsstruktur: Wer durfte welche Baustelle sehen? Wer hatte welche Dateien wann bearbeitet? Diese Fragen blieben regelmäßig unbeantwortet.
„Ich konnte keine Zuordnungen machen und die Dateien nicht chronologisch nachverfolgen“, erinnert sich Schrode. „Eine Lösung, die mittelmäßig gut funktioniert, wird eben auch nicht konsequent genutzt. Das eine resultiert aus dem anderen.“
Der eigentliche Schwachpunkt war dabei weniger die Technik als die Prozessstruktur dahinter. Sobald ein Schritt manuell angestoßen werden musste – ein Bild schicken, ein Dokument ablegen, ein Aufmaß weiterleiten – war die Zuverlässigkeit nicht mehr garantiert. Nicht weil Mitarbeiter unzuverlässig wären, sondern weil auf einer belebten Baustelle Prioritäten schnell wechseln.
„Sobald ich einen Prozess habe, den ein Mitarbeiter händisch anstoßen muss, funktioniert er nie zu 100 Prozent – nie. Das kennt jeder aus dem Baustellenalltag: Wenn es klemmt, fallen manuelle Prozesse hinten runter. Und dann kann man sich auf die Daten nicht mehr verlassen. Und sobald man sich auf die Daten nicht verlassen kann, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Mitarbeiter sagen: Das System passt sowieso nicht.“
Der Einstieg: Vom Produkttest zur Dauerlösung
Der Kontakt zu Infrakit entstand nicht über eine Ausschreibung oder einen Vertriebstermin, sondern durch die Arbeit von MTS selbst. Als die Unternehmensgruppe die Integration ihrer Maschinensteuerungssysteme mit Infrakit entwickelte, testete Schrode Bau die Plattform in der eigenen Baupraxis – wie alle MTS-Produkte, bevor sie den Kunden erreichen.
„Wir waren von der Anwendung so angetan, dass wir gesagt haben: Die wollen wir weiterhin in unserem Alltag nutzen“, sagt Schrode. Aus dem Test wurde eine Dauerlösung, die nach rund drei Jahren Praxis heute tief im Betrieb verankert ist.
Die Entscheidung fiel nicht auf Infrakit, weil es eine bestimmte Funktion besser machte als andere Software. Sie fiel, weil Infrakit das war, was bis dahin fehlte: die zentrale Schnittstelle, die zusammenhält, was bisher getrennt arbeitete. Schrode beschreibt es kurz und präzise: „Infrakit war für uns das fehlende Puzzlestück.“
Infrakit im Alltag: Eine Plattform, alle Daten
Heute ist Infrakit bei Schrode Bau nicht ein Tool unter vielen – es ist die einzige Dateiablage im Unternehmen. Keine parallelen Verzeichnisse, keine lokalen Ablageorte auf Rechnern oder Tablets. Die Ansage ist klar: „Bei uns ist Infrakit die einzige Datenablage. Sowohl ich als Geschäftsführer als auch die Bauleiter als auch die Poliere arbeiten einzig und allein in Infrakit. Wenn ich hier reinschaue und eine Datei liegt nicht drin, dann gibt es die Datei auch nicht.“
Diese Konsequenz ist kein Dogma, sondern das Ergebnis einer klaren Erkenntnis: Nur eine einheitliche, zuverlässig gepflegte Datenbasis schafft das Vertrauen, das ein digitales System braucht, um im Alltag wirklich genutzt zu werden.
Strukturierte Zugriffsrechte statt offener Ablage
Vom Geschäftsführer über Bauleiter bis zu Polieren arbeiten alle in derselben Plattform – aber mit genau den Rechten, die ihre Rolle erfordert. Jeder Polier sieht nur die Baustellen, auf denen er aktiv ist. Schreibberechtigungen lassen sich feingranular steuern. Sensible Dokumente wie Nachträge oder Schriftverkehr mit dem Auftraggeber bleiben für das Baustellenpersonal unsichtbar, ohne aufwendige Konfiguration.
Planversionen statt Dateifriedhöfe
Früher bedeutete ein überarbeiteter Plan: eine neue Datei mit Datumsstempel, am Ende 50 Varianten desselben Kanalplans, unklar welche aktuell gilt. „Die Pläne habe ich früher immer mit Datumsstempel abgelegt – und so hatte ich dann 50 Pläne mit verschiedenen Bearbeitungsständen.“ Heute existiert jeder Plan in Infrakit als eine einzige, versionierte Datei. Wer ihn zuletzt bearbeitet hat und was geändert wurde, ist jederzeit nachvollziehbar – auch bei mehreren gleichzeitig aktiven Bauleitern auf demselben Projekt.
Bautagebücher und Qualitätsnachweise direkt aus dem Feld
Poliere füllen Bautagesberichte heute direkt in der App aus – mit einem vorbereiteten Formular, das der Bauleiter hinterlegt hat. Sobald gespeichert wird, landet das Dokument automatisch im richtigen Ordner. Kein E-Mail-Versand, kein manuelles Einsortieren im Büro.
„Das hat er früher am Laptop in Excel geschrieben, mir per Mail geschickt, und ich habe dann wieder zwei Stunden gebraucht, das auseinanderzudröseln und in den richtigen Ordner abzulegen. Das kann ich jetzt mit Infrakit zentral lösen.“
Georeferenzierte Fotodokumentation in Echtzeit
Bilder, die auf der Baustelle aufgenommen werden, sind sofort georeferenziert und mit Blickwinkel in der Plattform sichtbar – minutenaktuell, filterbar nach Datum, Polier oder selbst definierten Eigenschaften wie „Straßenbau“ oder „Qualitätsberichte“. Der Bauleiter sieht aus dem Büro heraus, wo auf der Baustelle gerade gearbeitet wird und welche Besonderheiten dokumentiert wurden.
„Sobald der Polier draußen ein Bild hochlädt, liegt es sofort da. Ich muss ihm keine Informationen händisch bereitstellen – ich weiß, er kann direkt darauf zugreifen.“

Maschinensteuerung aus einer Hand
Auch die Anbindung der Maschinen läuft über Infrakit. Pläne und digitale Geländemodelle lassen sich direkt auf Bagger und Rover aufspielen – ohne parallelen Datentransfer über separate Systeme. Messpunkte und Maschinendaten fließen zurück in die Plattform und geben dem Bauleiter ein kontinuierliches Bild des Baufortschritts. „Ich kann meine kompletten Maschinen und Roverdaten zentral über Infrakit verwalten und einheitlich auf alle Geräte ausspielen.“
Notizen direkt auf der Projektkarte
Informationen aus Gesprächen mit Anliegern, Besonderheiten bei Hausanschlüssen oder Abweichungen vom Plan lassen sich als Notiz direkt auf der georeferenzierten Projektkarte hinterlegen und gezielt Mitarbeitern zuweisen. „Was mir früher oft passiert ist: Man hat irgendwo eine Information, hat da schon jemanden gesprochen – und weiß das in einem halben Jahr nicht mehr. Und noch schlimmer: Ein anderer hat die Information nicht. Das kann ich hier vermeiden.“

Abrechnung ohne Datenjagd
Einer der konkretesten Alltagsgewinne zeigt sich bei der Abrechnung. Früher musste Schrode Mengen schätzen, weil Bilder fehlten, Berichte nicht vorlagen und Aufmaße nicht zentral zugänglich waren. Heute lädt er die Rover-Daten direkt aus der Plattform herunter, importiert sie in sein Abrechnungsprogramm und hat alle Belege – Fotos, Bautagesberichte, Aufmaße – auf einen Blick beieinander.
„Da musste ich früher die Mengen schätzen, weil mir Bilder gefehlt haben, Rapporte gefehlt haben, Aufmaße gefehlt haben. Jetzt muss ich mittags nur hergehen, mein Gewerk runterladen und kann mir das Dokument sofort in meinem Folgeprogramm auswerten.“
Einschätzung zur Digitalisierung im deutschen Tiefbau
Schrodes Blick auf den Markt ist nüchtern. Er sieht, dass Maschinensteuerung und Rover-Systeme in der Region mittlerweile weit verbreitet sind. Der nächste Schritt – die Zentralisierung all dieser Daten – werde dagegen häufig unterschätzt.
„Ein Problem ist: Wenn Baufirmen ganz viel digitalisieren, aber das nicht zusammenführen können, dann sind Daten an verschiedenen Orten genauso sinnlos wie keine Daten.“
Gleichzeitig lässt er nicht gelten, dass schlechte Datenlieferungen von Auftraggebern oder Planungsbüros ein Argument gegen die eigene Digitalisierung sein könnten: „Für mich ist eine Datenaufbereitung für eine Baustelle mit 2 Millionen Euro vielleicht 4.000 Euro Aufwand. Was ich danach einspare, ist ein Vielfaches. Ich lasse den Zug der Digitalisierung nicht an mir vorbeigehen, nur weil ich manchmal schlechte Daten bekomme.“
Zur Plattform selbst gibt er offen zu, dass Infrakit kein Plug-and-play-Produkt ist: „Das ist kein Schalter, den ich kaufe, den ich hinmache und der funktioniert. Da geht es um das Thema Mitarbeiter schulen, Mitarbeiter mitnehmen, einen Kümmerer haben. Das muss man wissen. Aber Infrakit bietet dafür den Vorteil, dass es grundsätzlich einfach zu bedienen ist.“
Ausblick
Für Schrode ist Infrakit kein Endpunkt, sondern Teil eines laufenden Prozesses. Mit MTS als Entwicklungspartner fließen Praxiserfahrungen aus dem Baustellenbetrieb direkt in die Weiterentwicklung der Software zurück. Das Ziel bleibt dasselbe: alle relevanten Informationen an der richtigen Stelle, zur richtigen Zeit, für die richtigen Personen – ohne manuelle Zwischenschritte.
„Ich will möglichst viele Informationen gebündelt sammeln. Ich will meine Mitarbeiter nicht mit zehn verschiedenen Apps belasten – zehn Apps schulen, zehn Apps updaten, am Ende nutzt jeder nur drei davon. Bei Infrakit kann ich vieles zentral bündeln. Das ist für mich auf dem aktuellen Markt einzigartig.“
Und schwäbisch auf den Punkt gebracht: „Die Anwendung ist nicht schlecht.“
„Wenn die Baustelle steht, fehlen meistens Informationen.“
Im Video spricht Lukas Schrode darüber, wie Schrode Bau mit Infrakit genau diese Informationslücken schließt – und warum verlässliche Daten heute ein entscheidender Erfolgsfaktor im Tiefbau sind.
