
KI kann nur auf einer soliden Grundlage funktionieren
Infrakit KI-Serie – Teil 1 von 5 – Rechtzeitige Entscheidungen
Basierend auf Gesprächen mit Teemu Kivimäki, CEO von Infrakit.
Jede Woche spreche ich mit Führungskräften aus Bauunternehmen, die KI einsetzen wollen. Die meisten von ihnen sind noch nicht bereit dafür – nicht, weil die Technologie falsch wäre, sondern weil das Fundament darunter brüchig ist. Ich erkläre, was ich damit meine.
Die Branche, die jeder verbessern will
Der Tiefbau hat ein Reputationsproblem – und das nicht ohne Grund. Projekte verzögern sich. Budgets werden überschritten. Auftragnehmer und Auftraggeber streiten über Nachträge. Nachunternehmer stellen Rechnungen, die niemand nachprüfen kann. Und trotz jahrzehntelanger Investitionen in Technologie produziert die Branche immer wieder dieselben Ergebnisse.
Ich arbeite seit Jahren mit Tiefbauunternehmen in ganz Europa. Der Wille, es besser zu machen, ist echt. Die Investitionen in die Digitalisierung sind echt. Aber das meiste davon funktioniert nicht – und der Grund dafür ist einfacher, als man zugeben möchte.
Bauunternehmen versuchen, bessere Werkzeuge auf kaputte Prozesse aufzusetzen. Sie führen Software für Berichtswesen ein, Software für Maschinensteuerung, Software für Vermessung, Software für Projektmanagement – und landen am Ende bei isolierten Tools, isolierten Teams und isolierten Daten. Nichts kommuniziert miteinander. Das Projekt läuft weiterhin über WhatsApp-Nachrichten und Excel-Tabellen. Und wenn dann etwas schiefgeht – wenn ein Auftraggeber eine Rechnung anfechtet, wenn ein Nachtrag abgelehnt wird, wenn eine Verzögerung erklärt werden muss – fehlt die belastbare Nachweisführung.
Das Problem ist nicht, dass es dem Tiefbau an Technologie mangelt. Das Problem ist, dass Technologie ohne ein verbundenes Fundament nur mehr Rauschen erzeugt.
Was ein Betriebssystem tatsächlich bedeutet
Wenn ich erkläre, was Infrakit macht, verwende ich manchmal einen Vergleich, der überrascht. Man denke daran, was Windows für die Personal-Computer-Branche bedeutet hat. Bevor es ein gemeinsames Betriebssystem gab, lief jedes Gerät mit eigener Software auf eigene Weise. Nichts war verbunden. Nichts wurde geteilt. In dem Moment, in dem ein gemeinsames Betriebssystem entstand, änderte sich alles – denn plötzlich konnten alle Anwendungen auf derselben Grundlage zusammenarbeiten.
Der Tiefbau braucht genau das. Nicht noch eine Insellösung. Nicht noch eine App für Berichte oder ein weiteres Dashboard fürs Management. Sondern ein gemeinsames Betriebssystem, das Planung, Bauausführung, Maschineneinsatz und Berichtswesen zu einem durchgängigen Workflow verbindet – vom Zuschlag der Ausschreibung bis zur Begleichung der letzten Rechnung.
Ohne dieses Fundament ist Digitalisierung nicht möglich. Man kann beliebig viele Tools hinzufügen und landet trotzdem dabei, dass Mitarbeiter Daten manuell zwischen Systemen übertragen, Projektleiter ihre Abende mit dem Zusammenstellen von Berichten verbringen und Unternehmensleiter Entscheidungen auf Basis von Informationen treffen, die bereits eine Woche alt sind.
Das Betriebssystem ermöglicht einen durchgängigen Workflow: Planung → Bauausführung → Berichtswesen → Bezahlung. Alles andere setzt voraus, dass dieses Fundament zuerst steht.
Warum das für KI entscheidend ist
Hier liegt der Punkt, den die Branche derzeit größtenteils falsch angeht. Alle wollen KI einsetzen. CEOs stehen unter Druck, zu zeigen, dass sie etwas unternehmen. Anbieter versprechen Transformation. Und Unternehmen versuchen, KI auf dieselbe fragmentierte, unverbundene Dateninfrastruktur aufzusetzen, die sie schon immer hatten.
Das wird nicht funktionieren. KI braucht Daten, um nützlich zu sein – echte, verbundene, verlässliche Projektdaten. Maschinenpositionen. Vermessungsdaten. Baustellenberichte. Planänderungen. Fotos. Sicherheitsbeobachtungen. All das muss kontinuierlich erfasst und im selben Projektkontext verknüpft werden.
Fehlt dieses Fundament, hat die KI nichts Sinnvolles zu analysieren. Man erhält Ergebnisse, die ausgereift wirken, aber wenig Substanz haben. Man trifft Entscheidungen auf Basis von Mustererkennung, die auf unvollständige Daten angewendet wird. Und man fragt sich am Ende, warum die Technologie nicht das gehalten hat, was versprochen wurde.
Ich habe das bereits erlebt. Unternehmen, die versucht haben, KI einzuführen, bevor das Datenfundament stimmte, sind frustriert und skeptisch geworden. Unternehmen, die zuerst das Fundament aufgebaut haben – die ihre Projekte auf einem verbundenen Betriebssystem laufen ließen, bevor sie fragten, was KI leisten kann – stehen heute an einem völlig anderen Punkt.
KI schafft keinen Wert aus sich selbst heraus. Sie verstärkt, was bereits vorhanden ist. Ist das, was vorhanden ist, fragmentiert und unzuverlässig, wird KI genau das verstärken.
Die wirtschaftliche Realität
Das ist nicht nur ein technologisches Argument. Es ist ein Argument für das unternehmerische Überleben.
Generalunternehmer gewinnen öffentliche Ausschreibungen und müssen Daten liefern, um bezahlt zu werden. In Schweden, Norwegen, Finnland – in ganz Europa – verlangen Auftraggeber zunehmend eine nachprüfbare Dokumentation der erbrachten Leistung, bevor Zahlungen freigegeben werden. Eine Rechnung über 30 Millionen Euro ohne belastbaren Datennachweis wird nicht ohne Auseinandersetzung bezahlt. Und diese Auseinandersetzung kostet Zeit, Marge und Vertrauen in der Geschäftsbeziehung.
Die Auftragnehmer, die in diesem Umfeld erfolgreich sein werden, sind diejenigen, die belegen können, was sie geleistet haben, wann sie es geleistet haben und was es gekostet hat – in Echtzeit, nicht sechs Wochen später. Das erfordert ein verbundenes Datenfundament. Es lässt sich nicht nachträglich aus E-Mails und Excel-Tabellen zusammenstellen, sobald ein Streit bereits begonnen hat.
Auftragnehmer, die dieses Fundament nicht aufbauen, lassen nicht nur Geld auf dem Tisch liegen. Sie bauen eine Schwachstelle in ihr Geschäftsmodell ein, die sehr schnell sichtbar wird, sobald KI den Wettbewerb in der Branche beschleunigt.
Unternehmen, die jetzt kein Datenfundament aufbauen, laufen Gefahr, innerhalb von drei bis fünf Jahren von jenen überholt zu werden, die es getan haben.
Wo man ansetzen sollte
Die Antwort lautet nicht, noch mehr Software zu kaufen. Sie lautet, auf CEO- oder COO-Ebene die Entscheidung zu treffen, dass die Projektdaten des eigenen Unternehmens als strategisches Gut behandelt werden – kontinuierlich erfasst, durchgängig verknüpft und für alle zugänglich, die sie benötigen.
Das bedeutet: Maschinensteuerungsdaten verknüpft mit Planungsmodellen. Vermessungsdaten verknüpft mit dem Bestandsmodell. Baustellenberichte verknüpft mit Baufortschritt und Kostenverfolgung. Alles an einem Ort, in Echtzeit, sichtbar für das Projektteam und die Unternehmensleitung.
Ist das einmal etabliert – läuft das Betriebssystem –, wird die Frage, was KI leisten kann, tatsächlich spannend. Denn dann hat die KI etwas Reales, mit dem sie arbeiten kann. Frühere Signale. Klarere Nachweise. Entscheidungen, die noch rechtzeitig getroffen werden können.
Das ist das Fundament. Alles andere folgt daraus.
Nächster Teil der Serie: Artikel 2 – Die vier Wege, auf denen Infrastrukturprojekte Geld verlieren, das sie bereits verdient haben.
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